Pflege/Rasenkrankheiten
Die wichtigsten Rasenkrankheiten und einige Hinweise zu ihrer Vermeidung
von Martin Bocksch, Verbandsreferent des Deutschen Rollrasen Verbandes (DRV)
Rasenkrankheiten können in jedem Rasen auftreten. Die Krankheitserreger kommen auf die unterschiedlichsten Arten in den Rasen hinein und können sich dort bei geeigneten Bedingungen über Jahre erhalten. Ob es jedoch zum Ausbruch einer Krankheit kommt, hat jeder Rasenbesitzer / Rasenpfleger ein gutes Stück weit selbst in der Hand.
Vorbeugend kann viel getan werden um Krankheiten zu vermeiden. Dazu zählt in der Vegetationsphase, von (Februar) März – Oktober (November), die Schaffung von optimalen Wachstumsbedingungen. Das heißt in erster Linie eine gute, gleichmäßige Nährstoffversorgung und das Vermeiden von Stress durch Trockenheit, zu tiefes oder unregelmäßiges Mähen sowie Überbelastung. So kann man den meisten Krankheiten entgegenwirken.
Rasenfilz, eine Schicht aus nicht abgebauten Blättern, Halmen und Wurzeln am Boden, ist eine Brutstätte für Krankheitserreger. Jährliches Vertikutieren und auf hochwertigen Flächen Besanden trägt zu seinem Abbau bei. Beregnung erhält auch die filzabbauenden Bakterien aktiv.
Für den
Ausbruch der meisten Krankheiten sind feuchte Blätter notwendig. Daher kommt einer guten Luftbewegung, der Reduzierung von Schatten, sowie insbesondere der Morgensonne eine große Bedeutung zu, damit die Blätter schnell abtrocknen. Aktive Tauentfernung auf den Grasblättern erfolgt auf hochwertigen Rasenflächen durch Abkehren mit breiten Besen oder kurzzeitiges Beregnen.
Zur Vermeidung von
Winterkrankheiten, wie Schneeschimmel, sind späte, hohe Stickstoffgaben zu unterlassen. Generell ist auf eine ausreichende Versorgung mit dem Nährstoff Kalium zu achten. Kalium verbessert die Zellwandbildung. Die Zellen werden robuster, stresstoleranter und damit weniger anfällig gegen Krankheiten – auch im Sommer. Eine Spätherbstdüngung (November) mit Kali, ohne Stickstoff der nur die Bildung neuer weicher Zellen anregen würde, trägt zur Gesunderhaltung der Rasengräser im Winter bei.
Sehr milde Winter machen jedoch ein Gräserwachstum noch bis weit in den Winter möglich. Dann kann es passieren, dass der Stickstoff – je nachdem wann die letzte Düngung erfolgte – bereits verbraucht ist. Dann geht die Pflanze aber an ihre Reserven, die sie eigentlich für den Austrieb im Frühjahr benötigt und die ihr dann fehlen. Daher sollte bei entsprechenden Witterungsverhältnissen ruhig auch später im Jahr noch ganz kleine Gaben von Stickstoff verabreicht werden. Beispielsweise in Wasser aufgelöst mit der Spritze oder der Giesskanne – je nach Rasengröße.
Schneeschimmel (Microdochium nivale)
Sept.-März; 0 – 8°C

Im Rasen fallen 5 – 25 cm große, runde, graubraune, wässrige „Flecken“ auf. Die Blätter der Gräser sind abgestorben und hell-grau-bräunlich. Das Mycel des Pilzes wächst von innen nach außen. Am äußeren Rand der befallenen Bereiche ist es teilweise grau-rosa zu erkennen. Die Krankheit tötet die Gräser, den Vegetationspunkt, nicht ab. Sie regenerieren sich aus der Mitte der Flecken heraus (Froschaugeneffekt). Stickstoffdüngung unterstützt die Regeneration im Frühjahr. Besonders anfällig sind Straußgräser (Agrostis ssp.), Jährige Rispe (Poa annua) und Ausdauerndes Weidelgras (Lolium perenne).
Schneeschimmel tritt von September bis März auf. Temperaturen zwischen 0 und 8° C fördern die Ausbreitung der Krankheit.
Dollarflecken (Sclerotinia homoeocarpa)
Mai-Sept.; 25 – 30°C + kalte Nächte

Sclerotiniabefallene Grasblätter sterben rasch ab. Sie verfärben sich hell-bräunlich-strohig. Je nach Schnitthöhe bilden sich 2-3 cm (Schnitthöhe bis 10 mm) bis zu
12 cm (Schnitthöhe bis zu 50 mm) große helle, bleiche und runde Flecken im Rasen. Sie grenzen sich scharf vom gesunden Rasen ab. Der Dollarspot ist eine typische Sommerkrankheit. Hohe Tagestemperaturen von 25 bis 30° C und kalte Nächte mit starker Taubildung fördern die Krankheit. Am frühen Morgen kann man in den Flecken die mit Tautröpfchen behangenen Mycelstränge beobachten. Besonders anfällig sind Straußgräser (Agrostis ssp.), Rotschwingel (Festuca rubra ssp.) und Jährige Rispe (Poa annua).
Rotspitzigkeit (Laetisaria fuciformis)
März–Okt.–Dez.; 15 – 22°C

Im Rasen fallen zunächst unregelmäßige, gelbliche Flecken auf. Befallene Blätter hellen sich auf und werden gelblich, bleich und es bilden sich geweihartige, bis zu 1 cm große rote Gebilde darauf. Der Pilz tritt insbesondere an älteren Blättern auf und wird durch hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 15 und 22° C gefördert. Man findet ihn auf allen Grasarten. Mit einer Stickstoffgabe kann das Wachstum von neuen Blättern angeregt werden. Dadurch verschwindet die Krankheit rasch. In den letzten Jahren findet man immer häufiger auch spät im Jahr noch einen Befall mit Rotspitzigkeit.
Rostkrankheiten (Puccinia spp.)
Juni-Okt.; 20 – 30°C
Rostkrankheiten werden an Gräsern von einer Vielzahl von pilzlichen Erregern ausgelöst. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, sind sie immer an spezifische Gräser gebunden. Nach einem Befall bilden sich auf den Blättern zunächst kleine, gelbliche Flecken. Dann später die Pusteln mit den stäubenden Sporen in unterschiedlicher Färbung, Form und Verteilung auf den Blättern. Zuerst sind nur kleine Bereiche im Rasen betroffen, später oft ganzflächig, insbesondere nach sommerlichen Trockenperioden. Die Sporen aller Rostpilze keimen bei 100% Feuchtigkeit (z.B. Tau) und Temperaturen zwischen 20 und 30°C. Das junge Mycel dringt durch die Stomata in das Blatt ein. Besonders anfällig sind Ausdauerndes Weidelgras (Lolium perenne) und Wiesenrispe (Poa pratensis). Bei der Anfälligkeit gibt es jedoch große Sortenunterschiede. In der Pflanzenzüchtung wird mit künstlichem Befall intensiv an einer Resistenz für Rostkrankheiten gearbeitet.
(Bildnachweis: Martin Bocksch)